Angeschlagene Air Berlin tauscht Führung aus

Wolfgang Prock-Schauer tritt als Vorstandschef von Air Berlin ab. Foto: Paul Zinken/Archiv
Wolfgang Prock-Schauer tritt als Vorstandschef von Air Berlin ab. Foto: Paul Zinken/Archiv

Prock-Schauer war nur zwei Jahre an der Spitze der Airline. Er hatte im Januar 2013 den jetzigen Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn abgelöst. Zuvor hatte er sich erfolglos an der Sanierung der damaligen Lufthansa-Beteiligung British Midland (bmi) versucht. Sein Amt bei Air Berlin lege er jetzt auf eigenen Wunsch nieder und verlasse den Verwaltungsrat, erklärte die Fluggesellschaft. Der 57-Jährige wird im Vorstand bleiben und soll auf seinem früheren Posten als Chefstratege das Streckennetz neu gestalten.


Das ist nötig, weil Air Berlin versucht, sich gesund zu schrumpfen. Die Fluggesellschaft sei in ihren Anfangsjahren nicht organisch gewachsen, urteilte Prock-Schauer Ende Oktober. Seit Jahren ist sie unter anderem deswegen finanziell in Turbulenzen. Neben einer Verkleinerung von Flotte und Flugangebot müssen millionenschwere Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad der Airline helfen. 900 Stellen wurden in den vergangenen Monaten gestrichen - 200 weitere sollen folgen.


Im Frühjahr hatte Prock-Schauer zugeben müssen, dass die bisherigen Sparanstrengungen nicht ausreichen, um Deutschlands zweitgrößte Airline zurück in die Gewinnzone zu bringen. Er kündigte eine grundlegende Neuausrichtung an, hielt aber am bisherigen Geschäftsmodell fest. Air Berlin sei mit den drei Segmenten Europa, Touristik und Langstrecke genau richtig positioniert.


Die Bilanzsituation zwinge eigentlich zum Handeln, hatte Finanzchef Ulf Hüttmeyer damals gesagt. Inzwischen hat der Manager zusätzlich eine «leitende Führungsposition als Mitglied des Teams für Finanzen von Etihad Airways» bekommen.


Verwaltungsrats-Chef Hans-Joachim Körber lobte Pichler als eine starke Führungspersönlichkeit. Pichler werde «unmittelbaren positiven Einfluss» haben. Der 56-Jährige führt bislang noch die Fiji Airways, die nach Air-Berlin-Angaben gerade ihr bestes Halbjahresergebnis erzielte. Bei seiner letzten Station in Deutschland war es für Pichler allerdings nicht so gut gelaufen: Angesichts schlechter Zahlen musste er 2003 als Chef des Touristikkonzerns Thomas Cook seinen Hut nehmen. (DPA)